Mehrwertsteuer in Deutschland 2026

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In Deutschland gelten 2026 zwei Mehrwertsteuersätze: 19 % als Regelfall und 7 % für begünstigte Waren und Leistungen. Dazu kommen ein Nullsatz für Photovoltaik und eine lange Liste steuerfreier Umsätze. Diese Seite zeigt das komplette System – und was sich seit 2020 geändert hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • 19 % Regelsteuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG) – gilt immer, wenn keine Ausnahme greift.
  • 7 % ermäßigter Satz (§ 12 Abs. 2 UStG und Anlage 2) – u. a. Lebensmittel, Bücher, Speisen in der Gastronomie, ÖPNV, Hotel.
  • 0 % für bestimmte Photovoltaikanlagen (§ 12 Abs. 3 UStG).
  • Steuerfrei sind z. B. Arztleistungen, Wohnungsmieten und Finanzdienstleistungen (§ 4 UStG).
  • Neu 2026: Speisen in Restaurants dauerhaft 7 %. Eine Erhöhung des Regelsatzes wurde diskutiert, ist aber nicht beschlossen und für 2027 nicht eingeplant.

Mehrwertsteuer Deutschland berechnen

Rechenrichtung
Steuersatz
Nettobetrag100,00 €Mehrwertsteuer (19 %)19,00 €Bruttobetrag119,00 €
Inhalt
  1. Übersicht: Mehrwertsteuersätze in Deutschland 2026
  2. 19 % – der Regelsteuersatz
  3. 7 % – der ermäßigte Steuersatz
  4. 0 % – der Nullsteuersatz
  5. Steuerfreie Umsätze
  6. Wo die deutsche Mehrwertsteuer nicht gilt
  7. Änderungen seit 2020 im Überblick
  8. Wer in Deutschland keine Mehrwertsteuer berechnen muss
  9. Deutschland im europäischen Vergleich
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Übersicht: Mehrwertsteuersätze in Deutschland 2026

SteuersatzRechtsgrundlageAnwendung
19 %§ 12 Abs. 1 UStGRegelsatz für alle steuerpflichtigen Umsätze ohne Ermäßigung
7 %§ 12 Abs. 2 UStG, Anlage 2Abschließend aufgezählte Waren und Leistungen
0 %§ 12 Abs. 3 UStGPhotovoltaikanlagen und Stromspeicher auf bzw. nahe Wohngebäuden
steuerfrei§ 4 UStGBefreite Umsätze, in der Regel ohne Vorsteuerabzug
nicht steuerbar§ 1 UStGz. B. Leistungen im Ausland, Privatverkäufe, echte Zuschüsse

19 % – der Regelsteuersatz

Der Regelsatz von 19 % gilt seit dem 1. Januar 2007 (unterbrochen nur im zweiten Halbjahr 2020 mit 16 %). Er gilt für alles, was das Gesetz nicht ausdrücklich ermäßigt oder befreit. Typische Beispiele:

Eine ausführliche Liste: Produkte mit 19 % Mehrwertsteuer.

7 % – der ermäßigte Steuersatz

Der ermäßigte Satz soll Güter des Grundbedarfs und kulturelle Angebote entlasten. Welche Waren dazugehören, regelt die Anlage 2 zum UStG anhand der Positionen des Zolltarifs. Deshalb kommt es auf die genaue Warenkategorie an, nicht auf den alltäglichen Sprachgebrauch. Die wichtigsten Gruppen:

BereichBeispiele mit 7 %
LebensmittelBrot, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch (außer z. B. Hummer, Langusten, Kaviar), Milch und Milchprodukte
GastronomieSpeisen im Restaurant, im Café, beim Catering und zum Mitnehmen – seit 1.1.2026 dauerhaft
MedienBücher, Zeitungen, Zeitschriften, E-Books, E-Paper, Hörbücher
VerkehrNahverkehr (bis 50 km), Bahn-Fernverkehr seit 2020, Taxi im Nahverkehr
BeherbergungHotelübernachtungen, Ferienwohnungen, Campingplätze (kurzfristige Vermietung)
KulturEintritt für Theater, Konzerte, Museen, Zoos, Kino, Zirkus
GesundheitHörgeräte, Rollstühle, Prothesen, Zahntechnikerleistungen, Menstruationsprodukte
SonstigesSchnittblumen und Pflanzen, Tierfutter, Kunstgegenstände vom Künstler, Schwimmbäder

Die vollständige Aufstellung mit allen Abgrenzungen und einem 7-%-Rechner finden Sie unter 7 % Mehrwertsteuer.

0 % – der Nullsteuersatz

Seit dem 1. Januar 2023 gilt für die Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen samt Batteriespeicher ein Steuersatz von 0 %, wenn die Anlage auf oder in der Nähe von Wohngebäuden, öffentlichen oder gemeinnützigen Gebäuden installiert wird. Bei Anlagen bis 30 kWp (laut Marktstammdatenregister) gelten die Voraussetzungen als erfüllt. Anders als bei steuerfreien Umsätzen bleibt der Vorsteuerabzug erhalten. Mehr dazu: Nullsteuersatz und Photovoltaik und Mehrwertsteuer.

Steuerfreie Umsätze

§ 4 UStG nennt zahlreiche Umsätze, auf die keine Umsatzsteuer erhoben wird. Die wichtigsten:

Der Haken: Wer steuerfreie Umsätze ausführt, darf die Vorsteuer aus zugehörigen Einkäufen meist nicht abziehen. Ausnahmen sind Exporte und EU-Lieferungen an Unternehmen – hier bleibt der Vorsteuerabzug erhalten (§ 15 Abs. 3 UStG). Für einige andere Fälle gibt es eine Option zur Steuerpflicht. Details: Steuerfreie Umsätze nach § 4 UStG.

Wo die deutsche Mehrwertsteuer nicht gilt

Das umsatzsteuerliche Inland ist nicht ganz deckungsgleich mit dem Staatsgebiet. Nach § 1 Abs. 2 UStG gehören unter anderem die Insel Helgoland und die Gemeinde Büsingen am Hochrhein nicht dazu. Büsingen ist als Enklave in die Schweizer Mehrwertsteuer einbezogen. Auch Freizonen wie Teile des Cuxhavener Hafens haben Sonderregeln.

Änderungen seit 2020 im Überblick

DatumÄnderung
18.12.2019E-Books und E-Paper auf 7 %
1.1.2020Bahn-Fernverkehr und Menstruationsprodukte auf 7 %
1.7.–31.12.2020Befristete Senkung auf 16 % und 5 % (Corona-Konjunkturpaket)
1.7.2020–31.12.2023Speisen in der Gastronomie ermäßigt (2. Hj. 2020: 5 %, danach 7 %)
1.10.2022–31.3.2024Gas und Fernwärme befristet auf 7 %
1.1.2023Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen
1.1.2024Speisen in der Gastronomie wieder 19 %
1.4.2024Gas und Fernwärme wieder 19 %
1.1.2025Neue Kleinunternehmerregelung (25.000 € / 100.000 €), Pflicht zum Empfang von E-Rechnungen
1.1.2026Speisen in der Gastronomie dauerhaft 7 %

Was 2026 sonst neu ist: Mehrwertsteuer-Änderungen 2026. Wie es weitergehen könnte: Mehrwertsteuer-Erhöhung – Stand der Debatte.

Wer in Deutschland keine Mehrwertsteuer berechnen muss

Kleinunternehmer im Sinne von § 19 UStG weisen keine Umsatzsteuer aus. Voraussetzung seit 2025: Der Gesamtumsatz lag im Vorjahr bei höchstens 25.000 € und liegt im laufenden Jahr bei höchstens 100.000 €. Wird die 100.000-€-Grenze im laufenden Jahr überschritten, endet die Regelung sofort mit dem Umsatz, der die Grenze überschreitet. Mehr: Kleinunternehmerregelung 2026.

Deutschland im europäischen Vergleich

Mit 19 % liegt Deutschland deutlich unter dem ungewichteten EU-Durchschnitt von rund 21,9 %. Nur Luxemburg (17 %) und Malta (18 %) haben niedrigere Normalsätze, Zypern liegt ebenfalls bei 19 %. Die Nachbarländer Österreich und Frankreich erheben 20 %, die Niederlande, Belgien und Tschechien 21 %, Polen 23 % und Dänemark 25 %. Alle Länder: Mehrwertsteuersätze in der EU.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Deutschland 2026?

Der Regelsatz beträgt 19 %, der ermäßigte Satz 7 %. Für Photovoltaikanlagen gilt 0 %.

Seit wann gibt es 19 % Mehrwertsteuer?

Seit dem 1. Januar 2007. Davor galten seit April 1998 16 %. Einzige Unterbrechung war die befristete Senkung auf 16 % vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020.

Wird die Mehrwertsteuer 2027 erhöht?

Nach heutigem Stand (Oktober 2026) nicht. Im Frühjahr 2026 wurden in der Koalition Modelle wie 21 % Regelsatz, 10 % ermäßigter Satz und 0 % auf Lebensmittel diskutiert. Laut Finanzminister ist eine Erhöhung aber kein Bestandteil der Haushaltsplanung 2027, und die Einkommensteuerreform 2027 wird ohne Mehrwertsteuer finanziert. Den aktuellen Stand verfolgen wir auf der Seite Mehrwertsteuer-Erhöhung.

Warum kosten Getränke 19 %, Lebensmittel aber 7 %?

Die Anlage 2 zum UStG nimmt Getränke weitgehend von der Ermäßigung aus. Ausnahmen sind Milch, Milchmischgetränke mit mindestens 75 % Milchanteil und Leitungswasser.

Quellen

  • Umsatzsteuergesetz §§ 1, 4, 12, 19 und Anlage 2 – gesetze-im-internet.de
  • Deutscher Bundestag: Steueränderungsgesetz 2025 (Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen)
  • Europäische Kommission: VAT rates applied in the Member States