Mehrwertsteuer einfach erklärt

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Die Mehrwertsteuer ist die Steuer, die Sie bei fast jedem Einkauf mitbezahlen. Sie ist in Deutschland eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates – und sie funktioniert anders, als viele denken: Jede Stufe der Lieferkette führt nur die Steuer auf den Wert ab, den sie selbst hinzufügt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mehrwertsteuer heißt im Gesetz Umsatzsteuer. Rechtsgrundlage ist das Umsatzsteuergesetz (UStG).
  • Es gelten 19 % (Regelsatz) und 7 % (ermäßigter Satz), dazu ein Nullsatz für Photovoltaik und zahlreiche Steuerbefreiungen.
  • Verbraucher tragen die Steuer wirtschaftlich, Unternehmen führen sie ab und ziehen die eigene Einkaufssteuer als Vorsteuer ab.
  • Eingeführt wurde das heutige System am 1. Januar 1968 mit einem Regelsatz von 10 %.
Inhalt
  1. Definition: Was ist die Mehrwertsteuer?
  2. Wie funktioniert die Mehrwertsteuer? Ein Beispiel
  3. Wer zahlt die Mehrwertsteuer?
  4. Mehrwertsteuersätze in Deutschland
  5. Mehrwertsteuer berechnen
  6. Wie viel bringt die Mehrwertsteuer ein?
  7. Kurze Geschichte der Mehrwertsteuer
  8. Mehrwertsteuer in der EU und im Ausland
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

Definition: Was ist die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer ist eine allgemeine Verbrauchsteuer auf Lieferungen und Leistungen, die Unternehmen gegen Entgelt im Inland erbringen. Besteuert wird also nicht das Einkommen, sondern der Konsum. Der Fachbegriff für das deutsche System lautet Allphasen-Netto-Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug:

Im Ergebnis wird nur der Mehrwert jeder Stufe besteuert – daher der Name. Die gesamte Steuerlast landet beim Endverbraucher, der keine Vorsteuer abziehen kann.

Wie funktioniert die Mehrwertsteuer? Ein Beispiel

Angenommen, ein Tisch entsteht in drei Stufen. Alle Beträge mit 19 % Mehrwertsteuer:

Vereinfachtes Beispiel; das Sägewerk hat hier keine eigenen Vorleistungen.
StufeVerkaufspreis nettoUmsatzsteuer 19 %abziehbare Vorsteueran das Finanzamt
Sägewerk verkauft Holz an Tischlerei100,00 €19,00 €0,00 €19,00 €
Tischlerei verkauft Tisch an Möbelhaus300,00 €57,00 €19,00 €38,00 €
Möbelhaus verkauft Tisch an Kundin500,00 €95,00 €57,00 €38,00 €
Summe95,00 €

Die Kundin zahlt 595,00 €, davon 95,00 € Mehrwertsteuer. Genau dieser Betrag ist insgesamt beim Finanzamt angekommen – aufgeteilt auf drei Unternehmen, die jeweils nur ihren eigenen Wertzuwachs versteuert haben. Für die Unternehmen ist die Steuer ein durchlaufender Posten; ihr Gewinn bleibt unberührt.

Die Differenz aus eingenommener Umsatzsteuer und gezahlter Vorsteuer heißt Zahllast. Unternehmen melden sie monatlich oder vierteljährlich in der Umsatzsteuer-Voranmeldung.

Wer zahlt die Mehrwertsteuer?

Hier muss man zwei Rollen unterscheiden:

Mehr dazu, auch zur Frage, ob Unternehmen Steueränderungen an Kunden weitergeben: Wer zahlt die Mehrwertsteuer?

Mehrwertsteuersätze in Deutschland

SatzBeispiele
19 %Regelsatz für alle Umsätze ohne Ermäßigung: Kleidung, Elektronik, Möbel, Getränke, Energie, Medikamente, Dienstleistungen
7 %Grundnahrungsmittel, Speisen in Restaurants, Bücher, Zeitungen, Hotelübernachtung, ÖPNV und Bahn, Kultur, Blumen, Hörgeräte
0 %Photovoltaikanlagen auf oder nahe Wohngebäuden inklusive Speicher
steuerfreiärztliche Heilbehandlung, Wohnungsvermietung, Finanz- und Versicherungsleistungen, viele Bildungsleistungen

Wichtig: „steuerfrei“ und „0 %“ sind nicht dasselbe. Bei steuerfreien Umsätzen darf das Unternehmen in der Regel keine Vorsteuer abziehen, beim Nullsatz schon. Details unter steuerfreie Umsätze und Nullsteuersatz. Eine vollständige Übersicht aller Sätze und Ausnahmen bietet die Seite Mehrwertsteuer in Deutschland 2026.

Mehrwertsteuer berechnen

Die beiden Grundrechnungen lauten:

Brutto = Netto × (1 + Steuersatz)  ·  Netto = Brutto ÷ (1 + Steuersatz)

Bei 19 % also Netto × 1,19 bzw. Brutto ÷ 1,19. Den Steuerbetrag in einem Bruttopreis erhalten Sie mit Brutto × 19 ÷ 119 – das sind 15,97 % des Bruttopreises. Sofort ausrechnen lässt sich alles mit dem Mehrwertsteuer-Rechner; Herleitungen und Beispiele stehen unter Mehrwertsteuer berechnen.

Wie viel bringt die Mehrwertsteuer ein?

Die Steuern vom Umsatz – also Umsatzsteuer und Einfuhrumsatzsteuer zusammen – gehören neben der Lohnsteuer zu den beiden aufkommensstärksten Steuern in Deutschland und erbringen rund ein Drittel aller Steuereinnahmen. Das Bundesfinanzministerium beziffert die Mehreinnahmen pro Prozentpunkt beim Regelsatz auf bis zu rund 16 Milliarden Euro im Jahr. Die Einnahmen werden als Gemeinschaftsteuer zwischen Bund, Ländern und Gemeinden aufgeteilt; ein Teil fließt als Eigenmittel an die EU. Mehr unter Mehrwertsteuer-Einnahmen und Verteilung der Mehrwertsteuer.

Kurze Geschichte der Mehrwertsteuer

Bis 1967 galt in der Bundesrepublik eine Brutto-Allphasen-Umsatzsteuer, bei der sich die Steuer mit jeder Handelsstufe aufsummierte („Kaskadeneffekt“). Lange Lieferketten wurden dadurch benachteiligt. Zum 1. Januar 1968 kam die Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug – auch, um das System an die Vorgaben der damaligen EWG anzupassen.

AbRegelsatzermäßigt
1.1.196810 %5 %
1.7.196811 %5,5 %
1.1.197812 %6 %
1.7.197913 %6,5 %
1.7.198314 %7 %
1.1.199315 %7 %
1.4.199816 %7 %
1.1.200719 %7 %
1.7.–31.12.202016 %5 %
seit 1.1.202119 %7 %

Die vollständige Zeitleiste inklusive der Sonderregeln für Gastronomie und Gas finden Sie unter Geschichte der Mehrwertsteuer. Zur aktuellen Diskussion über eine erneute Anhebung: Mehrwertsteuer-Erhöhung – Stand der Debatte.

Mehrwertsteuer in der EU und im Ausland

Alle EU-Staaten erheben eine Mehrwertsteuer nach den Vorgaben der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (2006/112/EG). Der Normalsatz muss mindestens 15 % betragen; die Spanne reicht 2026 von 17 % in Luxemburg bis 27 % in Ungarn. Außerhalb der EU unterscheiden sich die Systeme deutlich – die Schweiz erhebt 8,1 %, die USA kennen gar keine Mehrwertsteuer, sondern eine Sales Tax der Bundesstaaten. Alle Sätze im Vergleich: Mehrwertsteuersätze in der EU.

Häufige Fragen

Warum heißt sie Mehrwertsteuer?

Weil wirtschaftlich nur der Mehrwert jeder Stufe der Lieferkette besteuert wird: Jedes Unternehmen zahlt Steuer auf seinen Verkaufspreis, zieht aber die Steuer auf seine Einkäufe als Vorsteuer ab.

Ist die Mehrwertsteuer eine direkte oder indirekte Steuer?

Eine indirekte Steuer: Steuerschuldner (das Unternehmen) und Steuerträger (der Verbraucher) sind verschiedene Personen.

Müssen Privatpersonen Mehrwertsteuer ans Finanzamt zahlen?

Nein, Privatpersonen zahlen sie nur über den Kaufpreis. Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Kauf eines Neufahrzeugs im EU-Ausland: Dann wird die Umsatzsteuer im Rahmen der Fahrzeugeinzelbesteuerung direkt in Deutschland fällig.

Müssen alle Unternehmen Mehrwertsteuer berechnen?

Nein. Kleinunternehmer nach § 19 UStG mit einem Vorjahresumsatz bis 25.000 € und einem laufenden Umsatz bis 100.000 € können auf die Umsatzsteuer verzichten – dürfen dann aber auch keine Vorsteuer abziehen.

Quellen

  • Umsatzsteuergesetz (UStG) – gesetze-im-internet.de
  • Richtlinie 2006/112/EG des Rates über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem
  • Bundesministerium der Finanzen: Steuereinnahmen und Schätzungen zum Aufkommen je Prozentpunkt