Wer zahlt die Mehrwertsteuer?

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Die Mehrwertsteuer zahlen wirtschaftlich die Endverbraucher: Sie ist im Preis enthalten und kann von Privatpersonen nicht zurückgeholt werden. Abgeführt wird sie aber von den Unternehmen, die rechtlich Steuerschuldner sind. Unternehmen mit Vorsteuerabzug reichen die Steuer nur durch – sie tragen sie in der Regel nicht selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Steuerträger (wirtschaftlich belastet): der Endverbraucher.
  • Steuerschuldner (rechtlich verpflichtet): der leistende Unternehmer (§ 13a UStG), in Sonderfällen der Leistungsempfänger (§ 13b UStG).
  • Unternehmen holen gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer zurück; deshalb belastet sie nur die letzte Stufe.
  • Ausnahmen: Kleinunternehmer, Ärzte, Banken, Vermieter und andere ohne Vorsteuerabzug tragen die Steuer auf ihre Einkäufe selbst.
Inhalt
  1. Steuerträger und Steuerschuldner: zwei verschiedene Rollen
  2. So wandert die Steuer zum Verbraucher
  3. Wann Unternehmen die Mehrwertsteuer selbst tragen
  4. Wenn der Kunde die Steuer schuldet: Reverse Charge
  5. Wird die Steuer immer vollständig überwälzt?
  6. Wer wie stark belastet ist
  7. Und Touristen?
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Steuerträger und Steuerschuldner: zwei verschiedene Rollen

Die Mehrwertsteuer ist eine indirekte Steuer. Wer sie rechtlich schuldet und wer sie wirtschaftlich trägt, fällt auseinander:

SteuerschuldnerSteuerträger
Wer?Unternehmer, der die Leistung erbringtEndverbraucher, der die Leistung kauft
Rolleberechnet, meldet und überweist die Steuerzahlt die Steuer als Teil des Preises
Kontakt zum Finanzamtja, über Voranmeldungennein
Rechtsgrundlage§ 13a Abs. 1 Nr. 1 UStGergibt sich wirtschaftlich aus der Überwälzung

Bei direkten Steuern wie der Einkommensteuer sind beide Rollen identisch. Bei der Umsatzsteuer schaltet der Staat die Unternehmen als Steuereinnehmer dazwischen. Das ist effizient: Statt Millionen Verbraucher muss das Finanzamt nur einige Millionen Unternehmen überwachen. Mehr zu den Begriffen: Steuerschuldner der Umsatzsteuer und Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer.

So wandert die Steuer zum Verbraucher

Eine Kundin kauft eine Jacke für 119,00 €. Das Modehaus hat sie für 50,00 € netto plus 9,50 € Umsatzsteuer beim Großhändler eingekauft.

Beim Finanzamt kommen insgesamt 19,00 € an – genau die Steuer, die die Kundin bezahlt hat. Für das Modehaus war die Steuer ein durchlaufender Posten. Den Mechanismus erklärt die Seite Vorsteuer einfach erklärt.

Wann Unternehmen die Mehrwertsteuer selbst tragen

Die Neutralität gilt nur für Unternehmen mit vollem Vorsteuerabzug. Andere werden selbst zum Steuerträger:

WerWarum
Kleinunternehmerkein Vorsteuerabzug (Kleinunternehmerregelung)
Ärzte, Physiotherapeuten, Pflegedienstesteuerfreie Umsätze, daher kein Abzug für zugehörige Einkäufe
Banken und Versicherungenüberwiegend steuerfreie Umsätze
Vermieter von WohnungenWohnungsvermietung ist steuerfrei; Handwerkerrechnungen kosten brutto
Kommunen und Vereine im ideellen Bereichkeine unternehmerische Tätigkeit
Jedes Unternehmen bei Geschenken über 50 €Vorsteuerabzug gesetzlich ausgeschlossen

Ökonomen sprechen von „versteckter Mehrwertsteuer“: Die nicht abziehbare Vorsteuer geht in die Kosten ein und landet, soweit möglich, wieder im Preis – etwa in Arzthonoraren oder Bankgebühren. Siehe Steuerfreie Umsätze nach § 4 UStG.

Wenn der Kunde die Steuer schuldet: Reverse Charge

In bestimmten Fällen kehrt das Gesetz die Steuerschuld um. Bei Bauleistungen an Bauunternehmer, bei Dienstleistungen ausländischer Unternehmer oder beim Handel mit Mobilfunkgeräten in großen Mengen schuldet der unternehmerische Kunde die Steuer (§ 13b UStG). Er zieht sie in der Regel gleichzeitig als Vorsteuer ab, sodass im Ergebnis nichts zu zahlen ist. Ziel ist, Steuerausfälle durch unzuverlässige Lieferanten zu verhindern. Details: Reverse Charge.

Wird die Steuer immer vollständig überwälzt?

Das Gesetz geht davon aus, dass Unternehmen die Steuer an Kunden weitergeben. Ob das gelingt, entscheidet der Markt. Bei Steuererhöhungen werden Preise meist rasch angehoben; bei Senkungen geben Händler die Ersparnis häufig nur teilweise oder verzögert weiter. Das zeigte sich bei der befristeten Senkung 2020 und bei der Rückkehr der Gastronomie zu 19 % im Jahr 2024. Kann ein Unternehmen die Steuer nicht überwälzen, schmälert sie seine Marge. Wie stark Preise auf Satzänderungen reagieren, erklärt Mehrwertsteuersenkung: Wirkung auf Preise.

Wer wie stark belastet ist

Weil Haushalte mit niedrigem Einkommen einen größeren Teil ihres Einkommens konsumieren, macht die Mehrwertsteuer bei ihnen einen höheren Anteil des Einkommens aus als bei Gutverdienern, die mehr sparen. Der ermäßigte Satz von 7 % auf Lebensmittel soll das abmildern. Ob die Mehrwertsteuer deshalb unsozial ist, diskutiert die Seite Ist die Mehrwertsteuer sozial gerecht? Wohin das Geld fließt, zeigt Mehrwertsteuer-Einnahmen in Deutschland.

Und Touristen?

Reisende mit Wohnsitz außerhalb der EU können sich die deutsche Umsatzsteuer auf Waren, die sie im Reisegepäck ausführen, erstatten lassen. Für sie gilt der Grundsatz, dass die Mehrwertsteuer im Land des Verbrauchs anfällt. Wie das funktioniert: Tax-Free-Shopping.

Häufige Fragen

Wer zahlt die Mehrwertsteuer: Käufer oder Verkäufer?

Wirtschaftlich der Käufer, wenn er Endverbraucher ist, denn die Steuer steckt im Preis. Rechtlich schuldet sie der Verkäufer, der sie an das Finanzamt abführt.

Zahlen Unternehmen Mehrwertsteuer?

Sie zahlen sie beim Einkauf, holen sie aber als Vorsteuer zurück, wenn sie vorsteuerabzugsberechtigt sind. Belastet sind sie nur, wenn kein Vorsteuerabzug möglich ist.

Warum heißt die Mehrwertsteuer indirekte Steuer?

Weil Steuerschuldner (Unternehmer) und Steuerträger (Verbraucher) verschiedene Personen sind. Der Verbraucher zahlt die Steuer indirekt über den Preis.

Wer zahlt die Mehrwertsteuer bei Reverse Charge?

Der unternehmerische Leistungsempfänger. Er kann sie in der Regel sofort wieder als Vorsteuer abziehen.

Quellen

  • §§ 13a, 13b, 15 UStG – gesetze-im-internet.de
  • Richtlinie 2006/112/EG, Art. 1 Abs. 2 (Grundsatz der allgemeinen Verbrauchsteuer)
  • Studien zur Überwälzung der befristeten Mehrwertsteuersenkung 2020, u. a. ifo Institut und Deutsche Bundesbank (Monatsberichte 2020/2021)