MWST-Erhöhung in der Schweiz für die 13. AHV-Rente
Am 29. November 2026 stimmen Volk und Kantone in der Schweiz über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der 13. AHV-Rente ab. Bei einem Ja steigt der Normalsatz frühestens Anfang 2028 von 8,1 % auf 8,5 % und der Sondersatz für Beherbergung von 3,8 % auf 4,0 %. Der reduzierte Satz von 2,6 % bleibt unverändert. Stand: Oktober 2026, vor der Abstimmung.
Das Wichtigste in Kürze
- Abstimmung: 29.11.2026; nötig ist das Mehr von Volk und Ständen, weil die Bundesverfassung geändert wird.
- Geplante Sätze: 8,5 % (heute 8,1 %), Beherbergung 4,0 % (heute 3,8 %), reduziert unverändert 2,6 %.
- Inkrafttreten frühestens Anfang 2028; Mehreinnahmen laut Bund rund 1,5 Mrd. Franken pro Jahr.
- Bundesrat und Parlament empfehlen ein Ja; die FDP führt die Nein-Kampagne an.
Inhalt
Worum geht es bei der Abstimmung?
Im März 2024 haben Volk und Stände die Initiative für eine 13. AHV-Altersrente angenommen. Die zusätzliche Monatsrente wird erstmals im Dezember 2026 ausbezahlt. Sie kostet anfangs mehr als 4 Mrd. Franken pro Jahr, ab 2035 über 5 Mrd. Franken. Die Initiative hat die Finanzierung offengelassen.
Der Bundesrat schlug zunächst eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte vor. Das Parlament hat sich im Juni 2026 auf 0,4 Prozentpunkte geeinigt und den reduzierten Satz ausgenommen. Weil die Mehrwertsteuersätze in der Bundesverfassung stehen, ist eine obligatorische Volksabstimmung nötig: Die Vorlage braucht sowohl die Mehrheit der Stimmenden als auch die Mehrheit der Kantone.
Heutige und geplante MWST-Sätze
| Satz | Gilt für | seit 2024 | bei Ja ab 2028 |
|---|---|---|---|
| Normalsatz | die meisten Waren und Dienstleistungen | 8,1 % | 8,5 % |
| Sondersatz | Beherbergung (Übernachtung mit Frühstück) | 3,8 % | 4,0 % |
| Reduzierter Satz | Lebensmittel, alkoholfreie Getränke, Medikamente, Bücher, Zeitungen | 2,6 % | 2,6 % |
Die letzte Erhöhung liegt erst kurz zurück: Zum 1. Januar 2024 stiegen die Sätze von 7,7 % auf 8,1 % (Normalsatz), von 3,7 % auf 3,8 % (Beherbergung) und von 2,5 % auf 2,6 % (reduziert), um die AHV-Reform „AHV 21“ zu finanzieren. Alle aktuellen Regeln: Mehrwertsteuer in der Schweiz 2026.
Was würde sich an den Preisen ändern?
Bei voller Weitergabe steigt ein Preis mit Normalsatz um den Faktor 1,085 ÷ 1,081, also um 0,37 %. Bei Hotelübernachtungen beträgt der Anstieg 1,040 ÷ 1,038 = 0,19 %.
| Nettopreis | heute | mit Erhöhung | Differenz |
|---|---|---|---|
| CHF 100.00 (Normalsatz) | CHF 108.10 | CHF 108.50 | CHF 0.40 |
| CHF 1'000.00 (Normalsatz) | CHF 1'081.00 | CHF 1'085.00 | CHF 4.00 |
| CHF 200.00 (Hotelnacht) | CHF 207.60 | CHF 208.00 | CHF 0.40 |
| CHF 100.00 (Lebensmittel) | CHF 102.60 | CHF 102.60 | CHF 0.00 |
Im Vergleich zu Deutschland bliebe der Schweizer Normalsatz mit 8,5 % weniger als halb so hoch wie die 19 % hierzulande. Wie Sie Satzänderungen allgemein durchrechnen: Preisänderung bei neuem Mehrwertsteuersatz.
Argumente von Befürwortern und Gegnern
Bundesrat und Parlament halten die Lösung für ausgewogen. Ohne Zusatzeinnahmen gibt die AHV schon 2026 über 1 Mrd. Franken mehr aus, als sie einnimmt; das Defizit würde bis 2035 auf fast 5 Mrd. Franken pro Jahr steigen. Mit der Erhöhung läge es 2035 bei rund 3 Mrd. Franken. Der AHV-Fonds fiele 2027 unter das gesetzliche Minimum von 100 % einer Jahresausgabe. Dass der reduzierte Satz nicht steigt, schone tiefe und mittlere Einkommen.
Gegner, darunter die FDP und eine Minderheit im Parlament, kritisieren, dass die Erhöhung die Kaufkraft schwäche und das strukturelle Problem der AHV nicht löse. Sie wollen die Mehrkosten in der nächsten AHV-Reform angehen, auch über ein höheres Rentenalter. Zur Verteilungswirkung von Konsumsteuern allgemein: Ist die Mehrwertsteuer sozial gerecht?
Folgen für deutsche Unternehmen und Einkaufstouristen
- Unternehmen mit Schweizer MWST-Registrierung (z. B. Onlinehändler, die jährlich für mindestens CHF 100'000 Kleinsendungen in die Schweiz liefern) müssten Kassen, Preise und Rechnungen auf 8,5 % umstellen. Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Leistung; bei Leistungen über den Stichtag hinweg ist aufzuteilen.
- Einkaufstouristen aus Deutschland können sich die Schweizer MWST mit Ausfuhrschein erstatten lassen. Bei einem höheren Satz steigt der Erstattungsbetrag leicht (Mehrwertsteuer-Rückerstattung mit dem Ausfuhrschein).
- Liechtenstein übernimmt die Sätze wegen des gemeinsamen Mehrwertsteuergebiets automatisch, ohne eigene Abstimmung (Mehrwertsteuer in Liechtenstein).
Weitere Länder und Pläne: Mehrwertsteuer nach Land.
Häufige Fragen
Wann wird über die MWST-Erhöhung in der Schweiz abgestimmt?
Am 29. November 2026. Die Vorlage braucht die Mehrheit von Volk und Kantonen.
Wie hoch soll die Mehrwertsteuer in der Schweiz steigen?
Der Normalsatz von 8,1 % auf 8,5 %, der Sondersatz für Beherbergung von 3,8 % auf 4,0 %. Der reduzierte Satz bleibt bei 2,6 %.
Ab wann gilt die höhere Mehrwertsteuer in der Schweiz?
Bei einem Ja frühestens ab Anfang 2028. Bis dahin gelten die heutigen Sätze.
Wie viel bringt die Erhöhung der AHV?
Laut Bund rund 1,5 Mrd. Franken pro Jahr. Die 13. AHV-Rente kostet anfangs über 4 Mrd. Franken jährlich, die Erhöhung deckt also nur einen Teil.
Quellen
- Eidgenössisches Departement des Innern / Bundesamt für Sozialversicherungen: Bundesrat empfiehlt Ja zur Erhöhung der Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente, 5.10.2026
- Bundesrat: Einberufung der Volksabstimmung vom 29. November 2026 (Bundesbeschluss vom 19. Juni 2026 über die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer)
- Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Art. 130 (Mehrwertsteuer)
- Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV): MWST-Sätze ab 1.1.2024
- Landesspiegel.li: Bundesrat spricht sich für höhere Mehrwertsteuer zugunsten der AHV aus, Oktober 2026