Mehrwertsteuer auf Fisch und Meeresfrüchte
Fisch und die meisten Meeresfrüchte kosten in Deutschland 7 % Mehrwertsteuer – Lachs, Forelle, Garnelen, Muscheln und Tintenfisch ebenso wie Fischstäbchen und Thunfisch in der Dose. Hummer, Langusten, Austern, Schnecken und Kaviar sind dagegen ausdrücklich ausgenommen und kosten im Handel 19 %. Im Restaurant gilt seit 2026 auch für den Hummer als Speise der ermäßigte Satz.
Das Wichtigste in Kürze
- 7 % auf Fisch, Garnelen, Krabben, Krebse, Scampi, Muscheln, Tintenfisch sowie Fischkonserven und Räucherfisch.
- 19 % auf Hummer, Langusten, Austern und Schnecken – frisch, gefroren und zubereitet – sowie auf echten Kaviar und Zierfische.
- Rechtsgrundlage: Anlage 2 Nr. 3 und Nr. 28 zum UStG.
- Im Restaurant gilt seit 1.1.2026 für alle Speisen 7 % – auch für Hummer und Austern.
Inhalt
Hummer und Mehrwertsteuer: die Ausnahmen in Anlage 2
Die Anlage 2 zum UStG begünstigt Fisch und Meeresfrüchte in zwei Nummern – und nimmt in beiden dieselben Luxusprodukte aus:
- Nr. 3: „Fische und Krebstiere, Weichtiere und andere wirbellose Wassertiere, ausgenommen Zierfische, Langusten, Hummer, Austern und Schnecken“ (aus Kapitel 3 – frisch, gekühlt, gefroren, getrocknet, geräuchert).
- Nr. 28: „Zubereitungen von Fleisch, Fischen oder von Krebstieren, Weichtieren und anderen wirbellosen Wassertieren, ausgenommen Kaviar sowie zubereitete oder haltbar gemachte Langusten, Hummer, Austern und Schnecken“ (aus Kapitel 16).
Die Ausnahmen gehen auf die Anfangszeit der Mehrwertsteuer zurück: Der Gesetzgeber wollte Lebensmittel des Grundbedarfs entlasten, aber typische Luxusprodukte beim Regelsatz belassen. Heute wirkt die Auswahl willkürlich, denn teure Produkte wie Königskrabbe, Jakobsmuscheln oder Thunfisch-Sashimi sind ermäßigt. Weitere Beispiele: kuriose Mehrwertsteuersätze.
Übersicht: Fisch und Meeresfrüchte von A bis Z
| Produkt | Satz | Hinweis |
|---|---|---|
| Lachs, Forelle, Kabeljau, Thunfisch, Hering | 7 % | frisch, gefroren, geräuchert, in Dosen |
| Fischstäbchen, Matjes, Fischsalat | 7 % | Zubereitungen, Nr. 28 |
| Garnelen, Krabben, Flusskrebse | 7 % | Krebstiere |
| Kaisergranat (Scampi), Taschenkrebs, Königskrabbe | 7 % | keine Hummer im Sinne des Zolltarifs |
| Miesmuscheln, Jakobsmuscheln, Venusmuscheln | 7 % | Weichtiere |
| Tintenfisch, Oktopus, Seeigel | 7 % | Weichtiere bzw. wirbellose Wassertiere |
| Lachskaviar, Forellenkaviar (Kaviarersatz) | 7 % | nur echter Kaviar ist ausgenommen |
| Hummersuppe, Fischfond | 7 % | Suppen sind Kapitel 21 (Nr. 33) |
| Hummer (frisch, gekocht, gefroren, in Dosen) | 19 % | Nr. 3 und 28 |
| Langusten | 19 % | Nr. 3 und 28 |
| Austern | 19 % | Nr. 3 und 28 |
| Schnecken (z. B. Weinbergschnecken) | 19 % | Nr. 3 und 28 |
| Kaviar vom Stör | 19 % | Nr. 28 |
| Zierfische für das Aquarium | 19 % | Nr. 3 |
Die Abgrenzung folgt dem Zolltarif: „Hummer“ meint Tiere der Gattung Homarus, „Langusten“ die Langusten im zoologischen Sinn. Kaisergranat, umgangssprachlich oft als „Norwegischer Hummer“ oder Scampi verkauft, hat eine eigene Unterposition und bleibt ermäßigt. Lachs- und Forellenrogen gelten zolltariflich als Kaviarersatz und nicht als Kaviar.
Rechenbeispiel: Hummer gegen Garnelen
| Produkt | Brutto | Satz | Netto | MwSt. |
|---|---|---|---|---|
| Hummer, gekocht, ca. 500 g | 32,90 € | 19 % | 27,65 € | 5,25 € |
| Riesengarnelen, 1 kg tiefgekühlt | 9,99 € | 7 % | 9,34 € | 0,65 € |
Wäre Hummer ermäßigt, würde er bei gleichem Nettopreis 29,59 € statt 32,90 € kosten – 3,31 € weniger. Rechenweg: Mehrwertsteuer rausrechnen.
Hummer im Restaurant: seit 2026 nur 7 %
Die Ausnahmen der Anlage 2 gelten nur für Lieferungen, also den Verkauf im Laden, auf dem Markt oder im Onlineshop. Im Restaurant erbringt der Wirt eine Restaurant- und Verpflegungsdienstleistung. Dafür gilt seit 1. Januar 2026 nach § 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG dauerhaft 7 % – für alle Speisen, ohne Ausnahme für Luxuszutaten.
Beispiel: Ein Hummergericht für 59,00 € enthält im Restaurant 3,86 € Mehrwertsteuer (7 %). Kauft der Gast denselben Hummer fertig zubereitet zum Mitnehmen, liegt eine Lieferung vor und es gelten 19 %. Für Austern auf der Feinkosttheke gilt dasselbe.
Mehr zur Gastronomie: Mehrwertsteuer in der Gastronomie 2026 und Take-away und Lieferung. Beim Catering mit Servicepersonal liegt dagegen eine Verpflegungsdienstleistung vor – dann gelten auch für Hummer 7 %. Beim reinen Verkauf zum Mitnehmen bleibt es bei der Anlage 2 und damit bei 19 %.
Hinweise für Fischhändler und Gastronomen
- Kassensystem: Hummer, Langusten, Austern, Schnecken und Kaviar als eigene Warengruppen mit 19 % anlegen.
- Platten und Sets: Eine Meeresfrüchteplatte mit Austern und Garnelen zum Festpreis muss im Handel auf 7 % und 19 % aufgeteilt werden (Rechner für 7 % und 19 %).
- Einkauf: Gastronomen kaufen Hummer mit 19 % ein und verkaufen das Gericht mit 7 %. Die 19 % ziehen sie voll als Vorsteuer ab.
- Zierfischhandel: Lebende Zierfische, Aquarienpflanzen-Dünger und Zubehör kosten 19 %; Wasserpflanzen selbst sind als lebende Pflanzen ermäßigt.
Die Grundregeln für alle Lebensmittel: Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.
Häufige Fragen
Warum hat Hummer 19 % Mehrwertsteuer?
Die Anlage 2 zum UStG nimmt Hummer, Langusten, Austern und Schnecken ausdrücklich vom ermäßigten Satz aus. Sie galten bei Einführung der Regelung als Luxuslebensmittel.
Welche Mehrwertsteuer gilt für Garnelen?
7 %. Garnelen, Krabben und andere Krebstiere sind begünstigt; nur Hummer und Langusten sind ausgenommen.
Hat Kaviar 19 % Mehrwertsteuer?
Echter Kaviar vom Stör ja. Kaviarersatz wie Lachs- oder Forellenkaviar kostet 7 %.
Welcher Steuersatz gilt für Hummer im Restaurant?
Seit 1. Januar 2026 7 %. Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen sind ohne Ausnahme für bestimmte Zutaten ermäßigt; nur Getränke kosten 19 %.
Quellen
- § 12 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 15 UStG, Anlage 2 Nr. 3, 28 und 33 zum UStG – gesetze-im-internet.de
- Kombinierte Nomenklatur der EU, Kapitel 3 (Positionen 0306, 0307) und Position 1604
- Umsatzsteuer-Anwendungserlass, Abschnitt 12.1