Mehrwertsteuer auf Gas

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Auf Erdgas aus dem Netz gilt seit dem 1. April 2024 wieder die volle Mehrwertsteuer von 19 %. Vom 1. Oktober 2022 bis 31. März 2024 war der Satz befristet auf 7 % gesenkt. Für Ihre Gasrechnung zählt nicht das Zahlungsdatum der Abschläge, sondern das Ende des Ablesezeitraums.

Gasrechnung: 19 % und 7 % vergleichen

Neuer Bruttopreis2.086,50 €Differenz−234,00 €Preisänderung−10,08 %

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1.4.2024: 19 % auf Gaslieferungen über das Erdgasnetz.
  • 1.10.2022–31.3.2024: 7 % nach § 28 Abs. 5 UStG (Energiekrise).
  • Maßgeblich ist das Ende des Ablesezeitraums; Abschläge werden erst mit der Schlussrechnung endgültig besteuert.
  • Flüssiggas in Flaschen oder Tanks war nie ermäßigt.
Inhalt
  1. Mehrwertsteuer auf Gas: Zeitleiste
  2. Wie wird die Mehrwertsteuer auf der Gasrechnung berechnet?
  3. Abrechnungszeiträume über einen Stichtag
  4. Welche Gaslieferungen waren ermäßigt?
  5. Vermieter, Nebenkosten und Unternehmen
  6. Häufige Fragen
  7. Quellen

Mehrwertsteuer auf Gas: Zeitleiste

ZeitraumMwSt. GasHintergrund
bis 30.6.202019 %Regelsatz
1.7.–31.12.202016 %allgemeine Corona-Senkung
1.1.2021–30.9.202219 %Regelsatz
1.10.2022–31.3.20247 %befristete Senkung wegen der Energiekrise (§ 28 Abs. 5 UStG)
seit 1.4.202419 %Auslaufen der Senkung

Die Senkung sollte die Belastung durch die damals geplante Gasbeschaffungsumlage ausgleichen. Die Umlage wurde nie erhoben, die Steuersenkung kam trotzdem. Eine diskutierte vorzeitige Rückkehr zum Regelsatz zum 1. Januar 2024 wurde nicht umgesetzt; die Senkung lief wie im Gesetz vorgesehen Ende März 2024 aus. Ausführlich zur Entstehung und Wirkung: Senkung der Gas-Mehrwertsteuer 2022–2024.

Wie wird die Mehrwertsteuer auf der Gasrechnung berechnet?

Gas wird umsatzsteuerlich als Lieferung behandelt, die erst mit dem Ende des Ablesezeitraums ausgeführt ist – meist nach zwölf Monaten. Die Abschläge sind Anzahlungen: Der Versorger versteuert sie zwar sofort, doch der endgültige Satz ergibt sich aus der Jahresabrechnung (Anzahlungen und Umsatzsteuer).

Bestandteil der GasrechnungTeil der MwSt.-Bemessung?
Arbeitspreis je kWh (inkl. Beschaffung, Netzentgelt)ja
Grundpreisja
Energiesteuer (0,55 ct/kWh)ja
CO₂-Preis nach BEHG (2026: Korridor 55–65 €/t)ja
Konzessionsabgabe, Messstellenbetriebja
Umsatzsteuer 19 %–

Die Gasspeicherumlage ist seit dem 1. Januar 2026 entfallen. Der CO₂-Preis wird 2026 erstmals über Versteigerungen innerhalb eines gesetzlichen Korridors ermittelt; der europäische Emissionshandel für Gebäude (ETS 2) startet nach dem EU-Beschluss vom November 2025 erst 2028. Was der CO₂-Preis bei Heizöl ausmacht: Mehrwertsteuer auf Heizöl, Pellets und Brennholz.

Rechenbeispiel: 15.000 kWh Jahresverbrauch

Ein Einfamilienhaus verbraucht 15.000 kWh Gas. Der Tarif liegt bei 12,00 ct/kWh netto plus 150,00 € Grundpreis netto im Jahr (Beispielwerte).

Postenmit 7 %mit 19 %
Netto (15.000 × 0,12 € + 150,00 €)1.950,00 €1.950,00 €
Umsatzsteuer136,50 €370,50 €
Brutto2.086,50 €2.320,50 €

Bei gleichem Nettopreis kostet die Rückkehr zu 19 % diesen Haushalt 234,00 € mehr im Jahr. Den Effekt für Ihren Betrag zeigt der Rechner oben.

Abrechnungszeiträume über einen Stichtag

Für die Übergänge 2022 und 2024 gilt nach dem BMF-Schreiben vom 25.10.2022:

Prüfen Sie bei einer älteren Jahresabrechnung, ob der Satz zum Ablesezeitraum passt. Falsch ausgewiesene Steuer schuldet der Versorger nach § 14c UStG; eine Korrektur ist über eine berichtigte Rechnung möglich (Umsatzsteuer-Korrektur nach § 17 UStG).

Welche Gaslieferungen waren ermäßigt?

Die Senkung galt nur für Gas, das über das Erdgasnetz geliefert wurde, einschließlich in das Netz eingespeisten Biomethans. Nicht erfasst waren Flüssiggas (LPG) in Flaschen oder Tanks und Gas als Kraftstoff an der Tankstelle. Wärme aus Fernwärmenetzen war parallel ebenfalls ermäßigt: Mehrwertsteuer auf Fernwärme.

Vermieter, Nebenkosten und Unternehmen

Vermieter legen die Heizkosten mit dem Bruttobetrag der Gasrechnung auf die Mieter um. Für Mieter war deshalb maßgeblich, welchen Satz der Versorger dem Vermieter berechnet hat. Unternehmer ziehen die Umsatzsteuer aus der Gasrechnung als Vorsteuer ab; für sie war die Senkung weitgehend neutral, da nur der Liquiditätseffekt zählt. Die Vorsteuer zieht man aus den Abschlagsrechnungen und korrigiert sie mit der Schlussrechnung (Vorsteuerabzug).

Zur Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom, die nie ermäßigt war: Mehrwertsteuer auf Strom.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Mehrwertsteuer auf Gas aktuell?

19 %. Der ermäßigte Satz von 7 % galt nur vom 1. Oktober 2022 bis 31. März 2024.

Warum stehen auf meiner Gasrechnung 2024 komplett 19 %?

Weil Ihr Ablesezeitraum nach dem 31. März 2024 endete. Dann gilt grundsätzlich für den gesamten Zeitraum der neue Satz, es sei denn, Ihr Versorger hat den Verbrauch zum Stichtag abgegrenzt.

Gilt für Flüssiggas der ermäßigte Satz?

Nein. Flüssiggas in Flaschen oder Tanks war von der Senkung ausgenommen und kostet 19 %.

Wird die Gas-Mehrwertsteuer wieder gesenkt?

Stand Oktober 2026 gibt es dazu keine Pläne der Bundesregierung. Entlastet wurde 2026 stattdessen über den Wegfall der Gasspeicherumlage.

Quellen

  • § 28 Abs. 5 UStG i. d. F. des Gesetzes zur temporären Senkung des Umsatzsteuersatzes auf Gaslieferungen über das Erdgasnetz (2022)
  • BMF-Schreiben vom 25.10.2022 zur befristeten Absenkung des Umsatzsteuersatzes für Gaslieferungen und Wärme über ein Wärmenetz
  • § 10 Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) – Preiskorridor 2026
  • § 2 Energiesteuergesetz (Steuersatz Erdgas 5,50 €/MWh)